NORA

Ein Liebesdrama nach einer Biografie
von Brenda Maddox

Kinostart: 31.08.2000
Darsteller: Ewan McGregor, Susan Lynch
Regie: Pat Murphy


Der irische Schriftsteller James Joyce (Ewan McGregor) steht in diesem Film im Mittelpunkt, sein Lebenslauf wurde als Grundgerüst für dieses Drama genommen- und doch heißt der Film "Nora".Als Nora Barnacle (Susan Lynch) von James Joyce das erste mal in Dublin angesprochen wird, ist es Liebe auf den ersten Blick. Beide, der unerfahrene James als junger Schriftsteller und Nora, die ausgesprochen starke Frau, die vom ersten Moment an als eine Figur eingeführt wird, die sich noch nie irgendetwas hat sagen lassen und deshalb in ein Kloster geschickt wurde, treffen aufeinander; von da an verbindet die beiden eine leidenschaftliche Anziehung. Aus Liebe wird eine Beziehung und aus der Beziehung wird ein Drama. Joyce, der fest von seinem eigenen Genie überzeugt ist, muss mit der Angst leben, dass nie ein Werk von ihm veröffentlicht werden wird; Nora mit der Angst ihr Leben lang von diesem labilen Mann abhängig zu sein. Beide beschliessen ein neues Leben im italienischen Triest anzufangen, doch das steigert Noras Angst nur. James entpuppt sich als krankhaft eifersüchtig und ist schwer gekränkt, dass Nora seine Werke nicht liest.
Selbst nach der Geburt ihres Sohnes Giorgio beachtet Joyce die Liebe seines Lebens kaum.Als Nora dann auch noch entdeckt, dass ihre einzige gemeinsame Obsession, der Sex, Gegenstand Joyce's Bücher ist, bricht die Beziehung erstmals auseinander. James fährt mit dem Sohn zurück nach Dublin, doch dort treiben ihn kursierende Gerüchte über Nora von einem Eifersuchtsanfall in den nächsten. Er trennt sich von ihr.
Als er auf ihren Wunsch hin nach Triest zurückkehrt, setzt er mit seiner Eifersucht Nora's Liebe ein letztes mal aufs Spiel.



Positiv erscheint auf jeden Fall, dass es dem Film gelungen ist weder Epochenportait noch Biografie zu werden. Gegenstand des Dramas ist und bleibt die Liebe und was in Beziehungen daraus werden kann. Er zeigt die Gradwanderung, die jede Liebende machen muss, zwischen bedingungsloser Liebe und der Angst vor dem Ende oder dem Betrug. Pat Murphy als Regisseur war genau von diesen psychologischen Elementen der "dunklen Seite" der Liebe fasziniert.
Ewan McGregor, bekannt aus "Star Wars" oder "Trainspotting" und Susan Lynch, die zuletzt in " Lang lebe Ned Divine" zu sehen war, spielen dieses Drama sehr leidenschaftlich, alle anderen Figuren sind betont farblos gehalten.
Die beiden Drehorte Triest und Dublin sollen wohl die verschiedenen Beziehungsabschnitte symbolisieren, tragen im Endeffekt aber leider nur zur Verwirrung bei. Die Übergänge sind oft holprig, die Handlung nicht immer nachvollziehbar. Auch das rasche und undurchsichtige Ende wird dieser gelungenen Studie der Beziehungsfehler nicht gerecht. (and)