Heimweg

Eine chinesische Liebesgeschichte

Kinostart: 24.08.2000


Schon einmal über den Luxus des Verliebens nachgedacht? Die Freiheit sich in eine Person zu verlieben empfinden wir als Selbstverständlichkeit. Dass das nicht überall so war oder ist macht "Heimweg" deutlich. Der Film spielt in der Volksrepublik China und erzählt in Rückblenden eine Liebesgeschichte, wie sie zu einer Zeit stattgefunden hat, als Ehen vereinbart und versprochen wurden.
Lou Yusheng (Son Honglei Lou) kommt nach vielen Jahren im eisigen Winter zurück in sein Heimatdorf.Dort muss er erfahren dass sein Vater Changyu (Zheng Hao) gestorben ist und nun vom Krankenhaus der Kreisstadt in das Dorf zur Beisetzung überführt werden soll. Lou's Mutter Zhao Di besteht auf der Tradition, die vorsieht, dass der Tote von den Männern des Dorfes zu Fuß heim getragen wird. Während Zhao Di ein Tuch für den Sarg webt, erinnert sich Lou wie seine Eltern einst ein Paar geworden sind. Während diese Rahmenstory an sich noch recht trist klingt, so ist die Liebesgeschichte von Zhao Di und Changyu eben so simpel wie rührend: Zhao Di, damals gerade 18 und das hübscheste Mädchen weit und breit erfährt, dass ein neuer, junger Lehrer ins Dorf kommt, um eine Schule zu gründen und die Kinder zu unterrichten. Als sich ihre Blicke das erste mal treffen ist es für Zhao Di Liebe auf den ersten Blick. Als Changyu ihre Gefühle zu erwidern beginnt, fängt eine Liebesgeschichte an, die alle Hindernissen überlebt. So werden die beiden mehrmals getrennt, unter anderem weil Changyu in der Stadt verhört wird; ihm wird vorgeworfen ein "rechtes Element" zu sein.
Doch die Liebe bleibt etwas Besonderes und so unternimmt Zhao Di nach dem Tod ihres Mannes alles, um ihm den Heimweg nach alter Tradition zu ermöglichen.


Darsteller: Zhang Ziyi, Zheng Hao (unten v.l.n.r)
Regie: Zhang Yimou


Regisseur Zhang Yimou, der bereits für seinen aktuellen Film "Keiner Weniger" (wir berichteten) den begehrten Goldenen Löwen in Venedig bekam, erhielt für dieses Meisterwerk den Silbernen Bär in Berlin. Während er in "Keiner Weniger" Armut und Kultur thematisierte und um Authentizität bemüht war, ist dieser Film eine poetische Erzählung an der chinesischen Auffassung von Schönheit orientiert, und so überwiegen in diesem Film die schönen Bilder, wie sie der Erinnerung von Verliebten entsprungen sind.
Dazu trägt nicht zuletzt die Hauptdarstellerin in der Rolle der Zhao Di bei.
Ein Film, wie er zu Unrecht sicherlich schnell in die Kulturecke abgeschoben werden wird, weil er sich nicht mit Kassenschlagern aus Hollywood messen lässt, aber auf jeden Fall sehenswert ist für jeden Nachtmenschen, der etwas für Romantik übrig hat. Eine Hommage an die wahre Liebe... (and)