Eines vorweg: "Das Experiment" hat tatsächlich stattgefunden - und musste nach kurzer Zeit wegen der Eskalation abgebrochen werden...
Und das ist das Experiment: Eine Gruppe freiwilliger, physisch und psychisch stabiler Männer spielt 14 Tage lang Gefängnis. Per Zufall werden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Gefangene und Wärter. Unter den Gefangenen ist auch der Taxifahrer und frühere Journalist Tarek (Moritz Bleibtreu), der eine große Story wittert. Noch benommen von dem One-Night-Stand der letzten Nacht und mit Kamerabrille ausgestattet, startet er in die 14 Tage Experiment, die von Professor Thon (Edgar Selge, "Rossini") eingeleitet werden: "Sie verzichten auf ihre Grundrechte, Privatsphäre, werden Druck ausüben müssen und Druck ertragen müssen." Kein Problem, denken die Männer, die größtenteils wegen der 4000 DM Verdienst teilnehmen. In dem psychologischen Institut ist ein Gefängnis sehr realistisch nachgebaut worden und aus dem Spiel wird schnell Ernst, als die "Wärter" anfangen, ihre Aufgabe, "für Ruhe und Ordnung zu sorgen", ernst zu nehmen. Die neuen Rollen fest im Kopf wird hart durchgegriffen, und das Experiment scheint schon nach wenigen Tagen außer Kontrolle zu geraten.
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Darsteller: Moritz Bleibtreu, Maren Eggert, Christian Berkel
Regie: Oliver Hirschbiegel
Das Originalexperiment 1971 in Stanford musste nach 7 Tagen abgebrochen werden, Informationen gibt es unter der unten angegebene Adresse.
Der Zuschauer muss mit Schrecken feststellen, dass er zu keinem Zeitpunkt des Films Grund hat, die Authentizität anzuzweifeln. Aus den sympathischen Versuchsteilnehmern werden innerhalb kürzester Zeit perverse und sadistische Wärter, sowie depressive Gefangene mit Persönlichkeitsverlust und das, obwohl allen Beteiligten klar ist, dass es sich "nur" um ein Rollenspiel handelt...
Die Abgründe der menschlichen Psyche wurden selten so schonungslos und packend dargestellt wie in diesem Film. Der Zuschauer taucht ein in das Gefühl der Hilflosigkeit, er erkennt, wie wenig nötig ist, um aus scheinbar stabilen, vernünftigen Menschen Sadisten zu machen, wie sie im Krieg mit unfassbarer Grausamkeit in Erscheinung treten. Regisseur Hirschbiegel, der hier sein Kinofilmdebüt gibt, war selbst schockiert davon, wie schnell selbst die Schauspieler ihre Rolle verinnerlicht hatten und sich so auch in Drehpausen in Wärter- bzw Gefangenen-Gruppierungen aufteilten.
Die größtenteils neuen Gesichter haben dem Film ebenso gut getan, wie Moritz Bleibtreu in der Rolle des zunächst nicht unbedingt sympathischen Taxifahrers. Ein beklemmender, packender Psychothriller, der sicherlich nichts für Zartbesaitete ist.
(and)
Website zum Film: www.dasexperiment.de Website zum Original-Experiment: www.prisonexp.org
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